Schwedt Vortrag begeistert
Mit einfachsten Haushaltsmitteln, Zucker, Backpulver, Jod und Soda, die, wie Schwedt betonte, alle frei verkäuflich sind und nicht ins Reich der alchemistischen Zauberei gehören, zeigte er am Dienstagsabend vor einem erwachsenen Publikum in der Fachhochschule und am Mittwoch in der Aula der Liebfrauenschule Mittel- und Oberstufenschülern, wie die Jeans blitzschnell und ganz natürlich indigo-blau werden oder wie man einen betrügerischen Safranhändler überführt. Der Saft von Blaukraut oder Rote Beete eignet sich, wie Schwedt vor 400 aufmerksamen Schülern vorführte, wunderbar, um Grundlagenverständnis für das Fach Chemie und damit für alltägliche Vorgänge in der Natur zu wecken oder zu schärfen. Zum spektakulären Abschluss seines kurzweiligen Experimentalvortrags führte Schwedt mit einer einfachen Brausetablette, Spiritus, Feuer und Flamme vor, wie man sogar auf dem Wohnzimmertisch „die schwarze Pharao-Schlange" zum Leben erwecken kann. Aus der Weißen Tablette wird ein sich scheinbar bewegendes schwarzes Ungeheuer. Die Schülerinnen und Schüler der Liebfrauenschule bedankten sich bei Professor Schwedt mit Applaus, sicher auch für dessen Bemerkung, dass man als Schüler zunächst beobachten und probieren müsse und die Formeln - vor denen es vielen graut - noch gar keine Rolle spielten. Georg Schwedt, emeritierter Professor der Chemie, ist in Fachkreisen, aber auch weit darüber hinaus, kein Unbekannter. Er hat viele wissenschaftliche Fachbücher geschrieben und über 20 populärwissenschaftliche Bücher zu Themen, die die Chemie und ihr Umfeld betreffen, verfasst. Wie in seinen Sigmaringer Vorträgen versteht es Schwedt, die Chemie in größere Zusammenhänge einzubinden, sei es in die Literatur - schließlich hat sich auch Goethe mit Fragen der Chemie beschäftigt - oder in das Naturerlebnis. Gerade schreibt Schwedt, wie er im Gespräch verriet, an einem Buch über die Quellen in der Eifel, ihre Chemie und Geologie, aber auch über ihre mythologische Bedeutung. Dass er bei seinen Felduntersuchungen selbst die freie Natur wandernd genießen kann, zeigt, dass das Fach Chemie eben keine trockene Laborarbeit im weißen Kittel sein muss.